Amt für Gemeindedienst in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Rund ums Ehrenamt

Das antike Griechenland

Abbild von Perikles
Perikles (ca. 490 - 429 v. Chr.), Foto: Marie-Lan Nguyen, Quelle: Wikipedia

In der gesamten abendländischen Tradition gehörte der individuelle Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit unverzichtbar zu einem sinnerfüllten Leben.

Schon in den Stadtgesellschaften der Antike Griechenlands war es Sache jeden männlichen Bürgers, sich für das Gemeinwesen zu interessieren, sich für dessen Wohl zu engagieren und in den Versammlungen über die Belange der Stadt zu diskutieren.
Da Sklaven (und Frauen) die produktiven Arbeiten ausführten, verfügten die freien männlichen Bürger über genügend freie Zeit dafür (wie auch im Römischen Reich galt jedoch, dass die Arbeitenden vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren).

Wer an solchen Versammlungen nicht teilnahm und sich auch den Angelegenheiten des Gemeinswesens verweigerte, war ein idiótes, also ein Privatmensch: „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger“, formulierte es der Athener Perikles etwa 500 vor Christus.

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Römisches Reich

Im Römischen Reich und später in den italienischen Städterepubliken war die Tugend der aktiven Bürgerschaft - sich für das Gemeinwohl zu engagieren - stark ausgeprägt. Zahlreiche politische Ämter wurden ehrenamtlich ausgeübt.

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Aus christlicher Tradition heraus

"Der gute Samariter" von Georg Frederic Watts (1817-1904)
"Der gute Samariter" von Georg Frederic Watts (1817-1904), Quelle: Wikipedia

Die Geschichte des christlichen Ehrenamts beginnt direkt mit Jesus und den Jüngerinnen und Jüngern, die ohne Bezahlung und für Andere ihre Fähigkeiten und Ideale in die christliche Bewegung einbrachten. Die unterschiedlichen Gaben, die Paulus im Römerbrief benennt, werden auch in den ersten Gemeinden selbstverständlich zum Wohl der Gemeinschaft eingesetzt. Von der Seelsorge über die Barmherzigkeit (die Bibel in gerechter Sprache übersetzt: Solidarisches Handeln) bis zur Leitungsfunktion in der Gemeinde sind Menschen tätig, weil sie die besondere Fähigkeit dazu haben und diese Fähigkeit auch einsetzen wollen und dürfen.

Dieser unentgeltliche Einsatz ist im weiteren Sinne ein "Ehrenamt", auch wenn es ein "Hauptamt" in der frühchristlichen Gemeinde noch nicht gibt. Trotzdem wird auch missionarische Tätigkeit bezahlt - oder kann zumindest bezahlt werden. 

Bereits in frühchristlicher Zeit gab es bezahlte missionarische Arbeit: Einen zentralen Beleg findet man beispielsweise in 1. Korinther 9 (Paulus verzichtet bewusst auf Bezahlung, obwohl sie ihm zustünde). Gleichzeitig wird in diesem Zusammenhang vor Geldgier gewarnt (z.B. 1 Tim 6). Mit dem Evangelium soll keine Geschäftemacherei betrieben werden (z.B. 2. Kor 2,17; 1. Thess 2,5).

Die klassische Trennung zwischen Klerus und Laien besteht seit ca. 200 nach Christus.

Seit dem 4. Jahrhundert (Kaiser Konstantin) wurde das Klerikeramt wegen staatlicher Steuer- und Gerichtsprivilegien besonders attraktiv (siehe RGG, 4. Auflage, Bd.1, Sp.427).

Eine andere Wurzel des sozialen Engagements findet sich in der christlichen Tradition im Liebesgebot der Bibel.

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10. und 11. Jahrhundert

Bürgerspitalstiftung Wemding

Die Bürgerspitalstiftung in Wemding im bayerischen Riess dürfte die älteste Stiftung sein, sie lässt sich bis auf das Jahr 917 zurückverfolgen.

Malteser- oder Johanniterkreuz
Malteser-/ Johanniterkreuz, Quelle: Wikipedia

Johanniterorden

Schon im Mittelalter wurde das Doppelgebot der Liebe durch die Versorgung von Armen mit Almosen vereinzelt umgesetzt.

So verbindet etwa der zunächst als Ritterorden gegründete Johanniterorden, die Wahrung des christlichen Glaubens mit der Hilfe für Notleidende: Er unterhielt seit 1099 ein Spital für Arme, Alte und Kranke in Jerusalem.

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16. Jahrhundert

Herrengasse in der Fuggerei, Augsburg
Herrengasse in der Fuggerei, © context medien und verlag Augsburg / CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikipedia

Fuggerei

Die Fuggerei in Augsburg wurde 1521 von Jakob Fugger dem Reichen als Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger gestiftet. Sie ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen Gegenwert eines Rheinischen Gulden, derzeit 0,88 Euro sowie täglich drei Gebete für den Stifter und seine Familie. In den 140 Wohnungen der 67 Häuser wohnen derzeit rund 150 Menschen.

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18. Jahrhundert

Hamburgische Armenanstalt

Ende des 18. Jahrhunderts kam es in Hamburg mit Gründung der Hamburgischen Armenanstalt 1788 zu einer systematischen Organisation ehrenamtlicher Arbeit.

Die Armenfonds  wurden zusammengefasst und unter kommunale Kontrolle gestellt. Hamburg wurde in 60 Bezirke aufgeteilt, denen jeweils drei ehrenamtliche Armenpfleger, die auf drei Jahre gewählt wurden, zugeordnet waren. Diese betrieben die Armenpflege mit systematisierten Fragebögen und waren einem auf Lebenszeit gewählten Armenkollegium verantwortlich .

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19. Jhd. - Wiederentdecktes Bürgertum

Gottesdienst für die ersten preußischen Stadtverordneten im Jahr 1808 in der Nikolaikirche in Berlin
Gottesdienst für die ersten preußischen Stadtverordneten im Jahr 1808 in der Nikolaikirche in Berlin, Quelle: Wikipedia

Preußische Städteverordnung von 1808

Das unentgeltliche Engagement für das Gemeinwohl wurde wieder eingeführt mit den Reformen der Freiherrn Stein und Hardenberg in Preußen Anfang des 19. Jahrhunderts:

Diese sahen die Mitarbeit des Bürgertums an staatlichen, auch politischen Aufgaben vor, um den damals noch auf König und Obrigkeit ausgerichteten Staat für die neuen Zeiten fit zu machen.

Das ehrenamtliche Engagement von bürgerlicher Honoratioren, wie es die preußische Städteordnung von 1808 vorsah, sollte das Gemeinwesen finanziell entlasten.

Hier liegt auch der Ursprung des Begriffs der ehrenamtlichen Arbeit: Im § 191 wird festgelegt, dass die Bürger zur Übernahme öffentlicher Stadtämter verpflichtet werden können, ohne dafür Entgelt beanspruchen zu können, also ehrenamtlich arbeiten zu müssen.

Es war das Engagement einer Minderheit: Nur etwa sechs Prozent der städtischen Bevölkerung konnten es sich leisten, unentgeltlich Aufgaben für den Staat zu übernehmen.

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Maximilian I. von Bayern im Krönungsornat, Quelle: Wikipedia

Bayerische Verfassung von 1818

Mit der Verfassung von 1818 gingen in Bayern der Staatsabsolutismus und die rigorose Zentralisierung zu Ende. Am 26. Mai 1818 erließ König Maximilian I. Joseph von Bayern eine „aus Unserm freyen Entschlusse euch gegebene“ neue Verfassung, die die Frage einer Volksvertretung moderner regelte.

Vor allem die Bürger größerer Städte sollten zu ehrenamtlicher Mitarbeit in der Gemeindeverwaltung bewegt und so eine verantwortungsvolle Haltung gegenüber dem Staat erzeugt werden.

Etwas später kamen zu den politischen Ehrenämtern für wohlhabende bürgerliche Schichten auch berufsbezogene Ehrenämter hinzu. Handwerker hatten ab Mitte des 19. Jahrhunderts beispielsweise Positionen in den Innungen zu besetzen.

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Armendenkmal Elberfeld
Das Elberfelder Armenpflegedenkmal auf dem Kirchplatz der Alten reformierten Kirche (um 1920), Quelle: Wikipedia

Elberfelder System

Im 19. Jhd. war ehrenamtliche Tätigkeit sehr oft soziales Ehrenamt in der kommunalen Armenhilfe.

Die Krone der freiwilligen sozialen Arbeit stellte das Elberfelder System dar (1853). In den folgenden 50 Jahren wurde es von fast allen größeren Städten Deutschlands als „das System sozialer Arbeit" übernommen.

In ihm wird die Stadt in kleine Quartiere aufgeteilt und jedes Quartier erhält einen ehrenamtlichen Armenpfleger, der die Bedürftigen in seinem unmittelbaren Wohnumfeld betreut.

An der Wiege der deutschen Sozialarbeit standen ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie schafften die Voraussetzungen, dass hauptamtliche Sozialarbeit sich entwickeln konnte. Der deutsch Sozialstaat ist in wesentlichen Entstehungsmomenten das Ergebnis ehrenamtlicher Tätigkeit.

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Alarmierung der Feuerwehr 1888
Alarmierung der Feuerwehr, aus: Die Gartenlaube (1888), Quelle: Wikipedia

Freiwillige Feuerwehren

Bürgerschaftliches Engagement als Lebensrettung

Zu den zentralen Aufgaben der Gesellschaft, gehörte der Brandschutz. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war dies per Verordnung Aufgabe aller Bürger eines Ortes. Die bayernweit erste Initiative zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr entstand 1847 in Regensburg; sie hatte ihre Wurzeln in der örtlichen Turnerschaft. Die Mitgliedschaft in den Wehren war freiwillig, interne Beschlüsse erfolgten nach dem Mehrheitsprinzip. Es gab einen gewählten Kommandanten.

In Augsburg wurde bereits 1849 die erste Freiwillige Feuerwehr in Bayern gegründet, in Regensburg kam es nach zähem Ringen schließlich erst 1858 zu einer Freiwilligen Feuerwehr.

Heute gibt es in Bayern 7.708 Freiwillige Feuerwehren mit 325.631 Aktiven.

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Die Vereine entstehen

 „Die Sänger, die Turner und die Schützen – die sind des Reiches Stützen“

Im 19. Jahrhundert, vor allem aber im Deutschen Kaiserreich ab 1871, schlossen sich in den einzelnen Regionen zunächst Männer und etwas später auch Frauen zusammen, um kulturelle, religiöse, soziale oder politische Ziele gemeinsam zu verfolgen. Männergesangsvereine gehörten zu den ersten neu gegründeten Vereinen, aber auch politische Parteien traten zunächst als Vereine auf.

Vielfach von nationaler Begeisterung getragen, eckten die Vereine zunächst bei der Obrigkeit an, da Deutschland damals aus vielen einzelnen Königreichen, Fürstentümern und anderen Herrschaftsgebieten bestand.

Jeder Verein bedeutete ein Stück weniger Obrigkeitsstaat, da die Bürger eine Sache ohne staatlichen Auftrag selbst in die Hand nahmen, insofern ist die Geschichte der Demokratisierung auch untrennbar mit der Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements verbunden.

Eines der bedeutendsten Ergebnisse der Vereinsgründungen im Bayern des 19. Jahrhunderts ist das Entstehen der bayerischen Caritas. Im Jahr 1845 kamen in München einige katholische Männer zusammen, um den Münchener Vinzenzverein zu gründen.

Zuvor war 1841 in Augsburg der erste Elisabethenverein gegründet worden. Hier fanden sich katholische Frauen zusammen, um armen notleidenden Kranken zu helfen. Der Verein verteilte bei Hausbesuchen Nahrungsmittel, Geld, Heizmaterial, Wäsche und Kleidung sowie besonders wichtig, „geistige Almosen“.

Ein gutes Beispiel für die soziale Arbeit von Frauen ist der Nürnberger „Verein Frauenwohl“. 1893 im Anschluss an die 17. Tagung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Nürnberg gegründet, verfolgte der Verein das Ziel, „dem weiblichen Geschlecht zu helfen durch eigene weibliche Kraft“. Mit etwa 2.500 Mitgliedern erreichte der Verein Frauenwohl eine sehr hohe Akzeptanz. Der Verein organisierte abendliche Unterrichtskurse in Handarbeiten und Fremdsprachen für Mädchen und Frauen, eröffnete 1898 das erste Wöchnerinnenheim Bayerns, das mit großem Erfolg bis 1918 betrieben wurde, und übernahm 1900 die neue Nürnberger Frauenarbeitsschule, die sich zum Seminar für Hauswirtschaftslehrerinnen weiter entwickelte.

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20. Jhd. - Freiwilligenarbeit und Professionalisierung

Verfassungsfeier im Reichstag
Verfassungsfeier im Reichstag (1928), © Bundesarchiv, Bild 102-06379 / CC-BY-SA, Quelle: Wikipedia

Freiwilligenarbeit in der Weimarer Republik

„Jeder Deutsche hat nach Maßgabe der Gesetze die Pflicht zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten“

– mit diesem Satz gab Artikel 132 der Weimarer Verfassung der Ehrenamtlichkeit Verfassungsrang (11. August 1919). Man meinte hier jedoch vor allem das Ehrenamt in der Rechtspflege, etwa als Schöffe.

Gleichzeitig setzte in vielen Bereichen ehrenamtlicher Tätigkeit eine zunehmende Professionalisierung ein. In der Armenfürsorge etwa war es ein Anspruch des neuen Staates, dies nicht mehr nur bürgerschaftlichem Engagement zu überlassen, sondern selbst verstärkt über Wohlfahrtsämter mit hauptamtlichen Angestellten einzugreifen. Die Hauptamtlichen erhoben daraufhin den Anspruch, die Ehrenamtlichen als Vorgesetzte anzuleiten, da es den ehrenamtlichen Mitarbeitern an fachlicher Kompetenz fehle.

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Alice Salomon
Alice Salomon, © National Library of Israel, Schwadron collection / CC BY 3.0, Quelle: Wikipedia

Alice Salomon (1872 - 1948)

Nur wenige Jahre zuvor hat die große alte Dame der deutschen Sozialarbeit, Alice Salomon, dies ganz anders beschrieben. Sie charakterisierte die ehrenamtlich tätigen Frauen ihrer Zeit wie folgt:

Frauen mit starkem mütterlichen Instinkt, kreativem Verstand und unabhängigem Geist brauchten Arbeit, die durch ihre Verantwortung und Initiative geformt und gestaltet werden konnte. Als Krankenschwester wären sie Autoritäten untergeordnet gewesen, als Kindermädchen hätten sie sich dem Willen ihres Arbeitgebers fügen müssen sogar als Lehrerinnen wären sie an einen fest gefügten Lehrplan und enge Vorschriften gebunden gewesen, die sie nicht hätten gestalten können.“

(Alice Salomon, Lebenserinnerungen, 1983, 32)

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Arbeitsteilung und Konflikt

Von Beginn des 20. Jhd. bis fast zu seinem Ende setzte sich ein Verständnis der Arbeitsteilung von Ehren- und Hauptamtlichen Mitarbeitern durch - in dem die Hauptamtlichen als die Profis angesehen wurden und die Ehrenamtlichen mehr oder weniger als Hilfsfunktionen betrachtet wurden.

Dies führte dazu, dass die (wie von A. Salomon beschriebenen) unabhängigen Geistern dem Diktat staatlich angestellter Sozialarbeiter unterworfen werden.

Da war der bis heute in Deutschland spürbare Konflikt zwischen ehrenamtlicher und hauptamtlicher sozialer Arbeit programmiert.

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Nationalsozialimus

NSV-Schwester mit Kindern bei Ausflug
NSV-Schwester mit Kindern bei Ausflug (1943), © Bundesarchiv, Bild 146-2003-0053 / CC-BY-SA

Gleichgeschaltetes Bürgerschaftliches Engagement

Durch den totalen Zugriff des Nationalismus auf das Ehrenamt wurden ab 1933 viele Formen ehrenamtlicher Arbeit zerstört. Die verbliebenen Reste wurden im Dienst von Staat und Partei gleichgeschaltet.

Der Dienst am Volksganzen war Pflicht, Eigeninitiative jedoch nicht erwünscht.

Viele Organisationen und Verbände wurden verboten. Die Freie Wohlfahrtspflege erhielt gleichgeschaltete Konkurenz von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).

Viele Menschen, die sich im Nationalsozialismus freiwillig engagierten, wurden damit auch zu Instrumenten des Regimes.

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Nachkriegszeit

Trümmerbeseitigungstrupp
Gruppenbild eines Trümmerbeseitigungstrupps (1949), Foto: Roger & Renate Rössing, © Deutsche Fotothek‎
Elly Heuss-Knapp
Briefmarke zum Gedenken an Elly Heuss-Knapp (1881-1952), Gründerin des Deutschen Müttergenesungswerkes mit einem Zuschlag für das Müttergenesungswerk (1957), Foto: NobbiP, Quelle: Wikipedia

Wiederbelebung des bürgerschaftlichen Engagements

Die Wiedergewinnung der Freiheit in der Nachkriegszeit führte auch zu einer Wiederbelebung des Ehrenamts - vor allem in der Politik aber auch im kulturellen und sozialen Bereich.

Zunächst wurden die Städte von zahlreichen "Trümmerfrauen" und anderen freiwilligen Helfern von Schutt befreit und langsam wieder aufgebaut. Doch nicht nur die Städte waren zerstört, auch viele Menschen trugen körperliche und seelische Schäden davon, waren materiell am Ende.

Hier setzte bürgerschaftliches Engagement ein, um Kriegbeschädigten zu helfen. Bereits im Juni 1945 begann der Rosenheimer Karl Weishäupl mit einer Beratungstätigkeit für Kriegsbeschädigte und gründete schließlich Ende 1946 den "Verband der Körperbehinderten, Arbeitsinvaliden und deren Hinterbliebenen in Bayern e.V." - ein Vorläufer der VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands).

Eine bemerkenswerte ehrenamtliche Initiative in Bayern ging von Antonie Nopitsch (Gründerin des Bayerischen Mütterdienstes - seit 2002: FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB) aus: Sie kümmerte sich um Unterbringung und Arbeitsbeschaffung für Flüchtlingsfrauen.

Zusammen mit Elly Heuss-Knapp gründete sie 1950 das Deutsche Müttergenesungswerk, dass seinen Sitz satzungsmäßig in Stein hat.

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50er und 60er Jahre

Ausbau staatlicher Institutionen und professioneller Verbandsstruktur

In den fünfziger und sechziger, waren viele Menschen vor allem mit der Sicherung ihrer materiellen Existenz beschäftigt, was weniger Raum für bürgerschaftliches Engagement ließ. Denoch blieben die Leistungen der Ehrenamtlichen auf allen Gebieten - gebunden an Verband, Kirche und Verein - eindrucksvoll.

Der zunehmende wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte es, stärker auf professionelle, bezahlte Arbeitskräfte zu setzen. Dies verschob das Verhältnis zwischen professionellem Handeln und ehrenamtlichem Engagement: immer mehr hauptamtliche Geschäftsführer zur Unterstützung der ehrenamtlichen Vorsitzenden waren nötig, um die wachsenden Organisationen und Einrichtungen zu führen.

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70er Jahre

Bürgerinitiativen und Selbsthilfeprojekte

Innerhalb von Verbänden und Organisationen stieg die Zahl der hauptamtlich Beschäftigten stätig an, Freiwilligkeit verlor dementsprechend an Gewicht.
Daraufhin setzten nun zahlreiche alternative Initiativen die Tradition der freiwilligen Arbeit auf andere Weise fort. Immer mehr trat bürgerschaftliches Engagement in neuen sozialen Bewegungen in den Vordergrund. Eigene Projekte und Initiativen versprachen so einen direkten Erfolg auf einem klar umrissenen Interessensgebiet.

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Das neue Ehrenamt

In den achtziger und neunziger Jahren relativierte sich der Projekt- und Initiativcharakter vieler "Alternativprojekte". Auch hier besteht eine deutliche Tendenz zur Professionalisierung.

Das "neue Ehrenamt" ist nicht mehr allein durch politische Ideale oder christliche Grundwerte gespeist. Auch Persönlichkeit und Selbstentfaltung wird wichtiger.

Ehrenamtliche arbeiten nicht mehr ausschließlich für Andere, sondern tun mit ihrem Engagement auch etwas für sich selbst: sie verwirklichen individuelle Interessen und entfallten eigene Fähigkeiten und Kompetenzen.

Viele kalkulieren die verwendete Zeit für ein Ehrenamt genauer, engagieren sich eher in zeitlich begrenzten Projekten und sind vorsichtiger wenn es um langfristige Mitgliedschaften geht.

Heute wird die Leistung der Ehrenamtlichen viel stärker herausgestellt, dies gehört zur neuen Kultur des bürgerschaftlichen Engagements und damit auch zu einer neuen Wertschätzung des Ehrenamts.

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Quellen:

 

Broschüre "Kleine Geschichte des bürgerschaftlichen Engagements in Bayern"

vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (www.wir-fuer-uns.de)

 

Broschüre "Kurze Geschichte der Ehrenamtlichkeit"

vom Unionhilfswerk (www.unionhilfswerk.de)

 

Wikipedia - Die freie Enzyklopädie (www.wikipedia.de)

Kontakt

Johanna  Flierl
Johanna Flierl
Sozialwirtin (B.A.)
Telefon: 0911 4316-220
Ulrich  Jakubek
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Petra  Pfann
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